Warum setzt der Verstand bei besonderen Naturschauspielen aus?

Warum setzt der Verstand bei besonderen Naturschauspielen aus? https://fernwehge.com/2016/02/22/naturgewaltenisland/ #waterfall #iceland #skogafoss

Da sich in letzter Zeit die Ereignisse häufen und gleichzeitig ein Besucherrekord nach dem Nächsten geknackt wird, möchte ich nochmal verstärkt auf die Gefahren hinweisen, die sich in Island ergeben können und dafür sensibilisieren, sich nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Denn kein Foto der Welt ist dies wert – sollte man zumindest meinen.

Gefahrenquellen und -vermeidung in Island.


Warum setzt der Verstand bei besonderen Naturschauspielen aus? https://fernwehge.com/2016/02/22/naturgewaltenisland/ #island #iceland #reynisfjara

Der schwarze Strand von Reynisfjara und Reynisdrangar: Die Ausflugsziele schlechthin.

Neben der Golden Circle Tour, ist die Südküste Islands wohl das beliebteste Ausflugsziel für einen Tagesausflug von Reykjavík aus. Aber natürlich auch all diejenigen, die eine Rundreise um Island herum machen, kommen unweigerlich auf ihrem Weg über die Ringstraße hier vorbei.

Sehenswert ist es dort. Keine Frage. Aber das ist wahrscheinlich auch das Problem.
Als ich dort zum ersten Mal war, war ich hin und weg. Kein Wunder also, dass viele Leute ihrem Tour Guide nur mit halbem Ohr zuhören oder als allein Reisende den Warnschildern wenig Beachtung schenken und den Strand stürmen.

Ich gehöre aber zu der Sorte Mensch, für die ein hoher Adrenalinspiegel alles andere als erstrebenswert ist. Soll heißen: Nervenkitzel ist so gar nicht meins, also habe ich mich auch strickt an die Anweisungen meines Guides gehalten (bei den großen Wellen fiel mir das aber auch nicht schwer).

Das war einmal: Gehe nicht nah ans Wasser heran, denn jede 7. Welle ist wesentlich größer, als die davor. Und: Kehre den Wellen nicht lange den Rücken zu.

Gesagt, getan. Trotzdem sind Leute aus meiner Gruppe auf den Basaltsäulen herum geklettert und haben Fotos gemacht. Für die, die noch nicht dort waren: Die Basaltsäulen sind an stürmischen Tagen sehr nahe am Wasser. Und wir haben einen sehr stürmischen Novembertag erwischt.

So neidisch, wie ich jedoch auf die Fotos war, ich selbst habe mich nicht dorthin getraut. Und das zurecht. Darüber habe ich ja bereits berichtet.

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Reynisfjaras schwarzer Strand

Aus einer Gruppe von 10 sind bei meinem Ausflug 3 Leute nass geworden – trotz Warnungen. Glücklicherweise war das auch schon alles und es bestand für keinen Gefahr hinaus aufs Meer gezogen zu werden.

Wie obiges Bild eindrucksvoll zeigt, kann man dem Wasser noch so fern bleiben, es kann passieren, dass auch das nicht reicht. Kurz vorher stand meine Gruppe noch an der Stelle, wo der hintere, weiße Kranz der Welle ist. Hätten wir uns etwas später auf den Rückweg zum Parkplatz gemacht, hätten wir ein weiteres Mal rennen müssen. Leider sieht man jedoch sehr viele, die unglaublich nah ans Wasser heran gehen und wo man das Gefühl bekommt, dass sie bei der nächsten Welle mindestens mit den Füßen im Wasser stehen.

Vor zwei Wochen ist es leider genau an diesem Strand wieder zu einem Todesfall gekommen. Es gibt doch kaum etwas grausameres, als wenn man sieht, wie sein Ehemann ins Meer gerissen wird, man nichts tun kann und die Heimreise alleine antreten muss.

Diesen Strand kann man nicht mit den normalen Urlaubsstränden vergleichen, an denen man Badeurlaub macht und wo man nah am Wasser entlang spazieren kann. Hierbei handelt es sich nämlich nicht um einen sogenannten Flachstrand, denn der Meeresboden vor Reynisfjara ist sehr tief. Dies hat zur Folge, dass die Wellen aus großer Tiefe und mit voller Wucht an den Strand schießen. Hier hat man es also mit einer unberechenbaren Naturgewalt zu tun und dementsprechende Vorsicht ist hier geboten.

Die Videos entstanden Anfang November 2015 auf meiner letzten Island Reise. Man sieht, dass es an dem Tag alles andere als windstill war. Wenn man aber obiges Foto mit den Wellen in den Videos vergleicht, sieht man, dass das noch die kleinen Wellen sind. Eines ist jedoch klar: So nah, wie die Leute ans Wasser gehen und teils wie hypnotisiert auf die Wellen schauen, sind sie sich entweder der Gefahr nicht bewusst, oder ignorieren diese. Man kann sich aber sicher vorstellen, was passiert, wenn ein Kaventsmann auf den Strand trifft.


Leider hört es hier jedoch noch nicht auf.

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Der Strand von Vík mit Blick auf Reynisdrangar

Am Strand von Vík sind die Wellen durch den Wellenbrecher zwar nicht ganz so stark, auf die leichte Schulter nehmen sollte man sie trotzdem nicht. Aber auch hier sieht man: Die Leute halten sich nicht an die Warnungen.

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Nächster Halt: Sólheimajökull

Als ich das erste Mal beim Sólheimajökull war, war die Straße die zum Gletscher führte, eine einzige Buckelpiste und mit meinem Tour Guide sind wir sogar bis aufs Eis gegangen.
Heute ist die Straße schön geteert, dafür gibt es aber ein Schild, dass man nicht weiter, als bis zu diesem Punkt gehen darf. Sprich: Ohne einen professionellen Gletscherführer kommt man gar nicht mehr in die Nähe des Eises.

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Aber warum sich daran halten, nicht war? Die Isländer sind einfach ein zu ängstliches Volk, welches alles verbietet. Unbegründet natürlich.

Kürzlich auch passiert: Ein Mann wurde dort von Bergführern des Berges verwiesen, weil er nur mit seiner Frau unterwegs war. Später ist er scheinbar in eine Gletscherspalte gestürzt, in eiskaltem Wasser gelandet und ein Rettungsteam musste ausrücken. Möchte man so etwas in seinem Urlaub?

Dies waren nur 3 Beispiele an Gefahren, die in Island lauern können, wenn man sich nicht an die Warnungen hält. In einem Artikel von Iceland Review wird außerdem noch auf weitere brenzlige Ereignisse und Rettungsaktionen eingegangen (Leute, die auf den Eisschollen von Jökulsárlón herumlaufen zum Beispiel). Weitere Tipps zur Gefahrenvermeidung habe ich bereits hier zusammengetragen.

Wie schon anfangs gesagt: Kein Foto der Welt ist es wert, sich in Gefahr zu bringen. Naturgewalten sollte man immer mit Respekt begegnen und Warnungen jeglicher Art ernst nehmen. Niemand kennt Island schließlich besser, als seine Einwohner!

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5 Gedanken zu „Warum setzt der Verstand bei besonderen Naturschauspielen aus?

  1. Gletscherwanderungen ohne Guide (und ohne sichere Ausrüstung) sind auch so ein Ding … Was am Gletscher eine gänzlich unbekannte Gefahr ist: Im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen, schmilzt das Eis unter den Gesteins- und Sandschichten am Gletscherrand, die Zone wird zu einem gefährlichen Morast, in dem man wie in Treibsand versinken kann.
    Diese Menge Gefahrenschilder gab es früher in Island nicht, weil die Menschen sich mit der Natur auskannten. Jetzt, wo Reisende ins Land strömen und die „Wildnis“ erobern, ohne sich Gedanken über die Herausforderungen der Natur zu machen, sind sie bitter nötig.
    Liebe Grüße,
    Jutta
    PS: Das Instagram-Foto stammt von Reza aus Franreich. Er ist ein Bekannter von Ronni Hauks, meinem nunmehr langjährigen isländischen Freund und Guide..

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Jutta,

      davon wusste ich bisher auch noch nicht. Wobei es nicht gerade verwunderlich ist, wenn man mal darüber nachdenkt. Mein Guide sprach 2013 von einem neuen Besucherrekord, der etwa bei 900000 lag. Zwei Jahre später war er auf etwa 1.3 Mio gestiegen, wenn ich das richtig im Kopf habe. Da braucht es wohl noch einiges an Arbeit und Schildern, um die Leute aufmerksam zu machen und wach zu rütteln.
      Ich liebe seine Fotos und habe mich sehr gefreut, dass er gestern ausgerechnet dieses Foto gepostet hat, weil es wie die Faust aufs Auge passt. Und natürlich auch noch mal schön verdeutlicht, wie groß Wellen dort werden können und wie gefährlich es an den Basaltsäulen ist.

      Liebe Grüße
      Silja

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  2. Ich bin da ganz bei dir: Adrenalinkick ist absolut nichts für mich und ich achte immer darauf, mich an Anweisungen auf Schildern und von Personen, die es besser wissen, zu halten. Wenn ich dann Leute sehe, die sich einfach darüber hinwegsetzen, ärgere ich mich (zugegeben) immer schwarz. Denn auch wenn es in 99% der Fälle gut geht, das eine andere Prozent bemüht dann aber eben Leistungen, die man nicht hätte aufwenden müssen, wenn die Leute einmal aufgepasst hätten.

    Herzlich,
    Anna

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    1. Liebe Anna,
      genau so geht es mir auch immer und ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Leider scheinen es manche nur auf die harte Tour zu lernen, wenn sie sich wissentlich über Warnungen hinwegsetzen und in Gefahr geraten. Traurig, aber wahr.
      Liebe Grüße
      Silja

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