Frankreich, Glamping, Unterkünfte
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Glamping im Baumhaus in Frankreich

Das Leben mit Internet und Strom haben meine Schwester und ich letzten September gegen Kartenspielen, röhrende Hirsche in der Nacht und Übernachtungen im Baumhaus inmitten eines Waldes eingetauscht.

Seit einiger Zeit wachsen neue, coole Arten an Hotel und Camping Alternativen aus dem Boden. So auch die Baumhäuser. Das Ganze wurde kurzum auf den Namen „Glamping“ getauft. Eine Mischung aus Glamorous und Camping. Ich persönlich bin kein Fan von Labeling, dafür aber von dieser Art an Übernachtungsmöglichkeiten.

Für einen sehr spontanen Kurztrip, ging es  Ende September letzten Jahres in die Picardie nach Frankreich. Um genau zu sein, zog es uns zum wiederholten Male in das Örtchen Pierrefonds, welches mit dem gleichnamigen Schloss aufwarten kann. Und was für ein Schloss das ist!

Nun ist der Ort alles andere als groß, dementsprechend fiel die Auswahl an Unterkünften eher überschaubar aus. Als ich meiner Schwester meine Suchergebnisse präsentierte und beiläufig erwähnte, dass es dort sogar Baumhäuser gibt, war die Sache sehr schnell klar. Denn im Baumhaus übernachten stand bei uns schon seit längerem sehr weit oben auf unserer Wunschliste.

Alles Wichtige zum Thema Baumhaus und mein Fazit zur Unterkunft
Le Nid Dans L’Arbre“ habe ich hier zusammengefasst.

Um zur Unterkunft zu gelangen, fährt man einmal durch das Örtchen Pierrefonds hindurch. Hinter dem Ortsausgang kommt man nach einer Weile zu einer alten Eisenbahnbrücke unter der man durchfährt. Direkt rechts hinter der Brücke biegt man auf einen holprigen Waldweg.
Ab hier kann man es nicht mehr verfehlen. Aber Achtung: Fasane kreuzen!

Die Rezeption ist in einem alten Bauernhaus untergebracht. Dort sind außerdem die sehr gepflegten Sanitäranlagen. Rosa Toilettenpapier, wie könnte es anders sein, inklusive. Sollte es ein Unwetter geben und es so zu unsicher sein in den Baumwipfeln zu schlafen, gibt es im Haupthaus ebenfalls Schlafmöglichkeiten.

Das Einchecken im „Le Nid Dans L’Arbre“.

Nachdem wir die klassischen Formalitäten eines jeden Check-Ins hinter uns gebracht hatten, ging es an die Auswahl des Frühstück-Getränks. Man konnte zwischen Kaffee, Kakao oder verschiedenen Teesorten wählen. Anschließend bekamen wir jeweils einen Rucksack mit Stirnlampe und Klettergeschirr. Wir hatten uns nämlich für die Baumhaus-Variante entschieden, die nur über eine Seilbahn zu erreichen ist. Es gibt dort aber auch welche, die nicht ganz so hoch sind und wo eine Treppe zum Eingang, bzw zur Terrasse, führt. Das Mindestalter für den Seilbahn-Zugang ist übrigens 10 Jahre.

Als wir unser Geschirr angelegt hatten und in ihrer Handhabung eingewiesen waren, machten wir uns mit der Besitzerin auf den Weg zur unserem Baumhaus. Ein bisschen durch den Wald, dann an einem Feldweg entlang, wieder ins Gebüsch und schon lag unser Haus vor uns.

Und bevor meiner Schwester und mir noch richtig mulmig werden konnte, kletterte sie sehr schnell und geübt die Strickleiter hinauf. Hier ist man auch schon mit Karabiner gesichert, den man alle paar Stufen wieder neu aus und einhaken muss. So kann also nichts passieren!

Nochmal zum Thema „mulmiges Gefühl“: Je älter ich werde, desto zwiegespaltener bin ich beim Thema Höhe. Es ist nicht ausgeprägt, aber bei einer Sache, die ich vorher noch nicht gemacht habe, habe ich immer einen gewissen Respekt. Als sich also die Besitzerin direkt auf den Weg nach oben machte, wechselten meine Schwester und ich nur einen Blick, der bei uns beiden in etwa sagte: „Bin ich da schon bereit zu? Naja, Augen zu und nichts anmerken lassen.“. Und auf nach oben gings!

Oben angekommen, erklärte sie uns dann wo man sich auf der Plattform am besten hinstellt und wie man sich an der Seilbahn einhakt und sichert. Dann ist sie auch schon blitzschnell auf die andere Seite gesaust, hat uns gezeigt, wie wir auf der anderen Seite vorgehen müssen, auch dort gibt es einen Sicherheitsbereich wo man sich erst aushaken darf und dann gings für mich rüber. Nachdem das Vertrauen in die Seile und Karabiner da war, war es ein Heidenspaß! Wer Freude an Hochseilgärten hat, wird es sicher lieben. Einen solchen gibts übrigens auch in der Nähe.

Le Nid de l'Abres-Baumhaus-Frankreich (6)

Da es wie gesagt, weder Strom noch fließend Wasser in den Baumhäusern gibt, wurde uns anschließend noch gezeigt, wie der Gasofen funktioniert und dass es über einen Tank sehr wohl Wasser gibt, welches täglich aufgefüllt wird. Das wonach man mich lustigerweise immer als erstes fragt, ist die Toilette. Die gab es auch. Für die unerschrockenen im Baumhaus selbst, in Form einer Biotoilette. Das Prinzip ist simpel: Nach dem Geschäft schaufelt man ein paar Schäufelchen an sehr kleinen Holzspänen in die Toilette, welche den Geruch komplett binden. Die Reinigung war auch täglich. Wenn man auf den Luxus eines WCs nicht verzichten möchte, muss man die Sanitäranlagen nutzen. Die Möglichkeit zu duschen besteht in den Häusern nicht. Dafür muss man auch wieder zum Haupthaus, welches aber nicht weit entfernt ist.

Die erste Nacht im Baumhaus.

Abends wurde es schön gemütlich und ursprünglich, denn es gab keine Lampen, weswegen unsere einzige Lichtquelle Teelichter waren. So verbrachten wir unsere Abende z.B. Karten spielend, wurden ganz leicht im Wind hin und her gewogen und man hörte Hirsche röhren und im Unterholz herum kraxeln. Da wir die Tiere nicht irritieren wollten, haben wir nicht mit der Taschenlampe herunter geleuchtet, aber den Geräuschen nach, muss ein Tier direkt unter unserem Haus hindruch gelaufen sein. Am nächsten Morgen ging es direkt grandios weiter, als mir beim Zähneputzen ein Zaunkönig durchs Glas der Türe zuschaute.

Le Nid de l'Abres-Baumhaus-Frankreich (10)

Frühstück auf Augenhöhe mit den Waldbewohnern.

Das Frühstück wurde jeden Morgen um 8 Uhr in einem Korb an der Hauseigenen Seilwinde befestigt. Wir mussten es also nur hochziehen und wenn wir fertig waren wieder herunter lassen. Auf dem Weg kommt übrigens auch das Gepäck rauf und runter.

Das Frühstück ist klassisch französisch. Es gab Baguette, Croissants und süße Aufstriche. Zutrinken gab es Orangensaft und die Teesorte, die wir uns jeweils beim Check-In ausgesucht hatten.

Da es morgens immer schön sonnig war, haben wir draußen auf der Terrasse gefrühstückt, obwohl es Ende September nicht mehr ganz so warm war (etwa 11°C). Das hatte außerdem den Vorteil, dass der Tisch größer und höher war. Außerdem wollten wir uns nicht das Schauspiel entgehen lassen, die im Sonnenlicht glänzenden Spinnenwebenfäden, die zwischen den Ästen der umliegenden Bäume hin und her gespannt waren, zu bewundern. Oder aber auch ein Eichhörnchen zu beobachten, welches sich in unsere Nähe gesellte und seine Eichelreste auf unser Hausdach krümelte.

Übernachten im Baumhaus: Mein Fazit!

Für alle, die Natur lieben und eine luxeriösere Variante des Campings erleben möchten, kann ich diese Art der Unterkunft und das Le Nid Dans L’Arbre nur empfehlen.

Auch wenn man etwas entschleunigen möchte, ist es ideal. Es gibt weder W-Lan noch Strom in den Häusern.

Die Unterkunft liegt ca. 80km vor Paris und ist somit in ein paar Autostunden aus NRW zu erreichen. Es eignet sich also gut für einen Kurztrip oder als Zwischenstopp auf dem Weg nach Paris.

Für uns waren das Frühstück und die Getränke ausreichend. Wer Abendessen wünscht, kann sich dieses auch bestellen. Auf der Homepage gibt es verschiedene Pakete und Auswahlmöglichkeiten.

Die Sanitäranlagen waren sauber, aber auch die in unserem Haus war zu unserer Zufriedenheit.

Trotz der Jahreszeit hat man in der Nacht, dank dickem Plümo/ Bettdecke, nicht gefroren.

Handtücher muss man sich selbst mitbringen und durch die Seilwinde empfiehlt es sich eine Reisetasche oder Rucksack für das Gepäck zu nehmen, statt eines Koffers. Außerdem hatten wir Schlafsäcke dabei, falls wir wegen eines Unwetters im Haupthaus hätten übernachten müssen.

Kleine Mankos: Man sollte zumindest ein paar Brocken Französisch beherrschen, da dort so gut wie kaum, bis kein Englisch oder Deutsch gesprochen wird. Notfalls geht sicher auch die altbewährte Hand- und Fuß-Verständigung.

Außerdem hatten wir einen kleinen Schreckmoment in unserer zweiten Nacht. Wie schon erwähnt, besteht die Beleuchtung aus Teelichtern und man heizt mit einem Gasofen. Den Ofen haben wir nachts nicht angelassen und vor dem Schlafengehen natürlich die Teelichter gelöscht. Da aus Sicherheitsgründen, Holzkonstruktion und Baumwipfel, auch ein Rauchmelder im Haus ist, sollte man darauf achten, vielleicht nochmal zu lüften, bevor man sich schlafen legt. Oder aber es geht dir wie uns und er geht los, wenn du gerade friedlich schläfst. Sehr creepy, wenn ich das mal so sagen darf. Denn ein Feuer in einem Baumhaus, welches du nur nach Anlegen eines Klettergeschirrs verlassen kannst und wo es mindestens 4m in die Tiefe geht, ist keine schöne Vorstellung.

Davon abgesehen waren wir rundum zufrieden und können es nur empfehlen.

 

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