Dänemark, Skandinavien
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Ostgrönland – Die Vollendung des Nordens

Eisberge vor Kumiuut, Ostgrönland

Dies ist ein Gastartikel von Dennis Hartke.

Island, Norwegen, Schweden und auch die Färöer Inseln sind nur Vorboten, nur eine Vorbereitung auf das, was weiter im Norden auf uns wartet. Die größte Insel der Erde, Grönland.

Möchtest du in endloser Weite die Schönheit der Monotonie spüren und herausfinden, wie sich echte Stille umrahmt von gigantischen Eisbergen und Fjorden anfühlt? Dann wird eine Reise nach Ostgrönland im Sommer dein Herz schneller schlagen lassen. Einmalige Landschaften und unvergessliche Begegnungen mit Einheimischen prägen eine Reise in das Königreich der Arktis.

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© Dennis Hartke

Die Anreise

Die Arktis ist näher als man glaubt.

Von Deutschland aus geht die Anreise über Reykjavik (Island) nach Kulusuk (Ostgrönland). Vom lokalen Flughafen in der Stadt Reykjavik selbst, starten 2x pro Tag kleine Maschinen der Fluggesellschaft Air Iceland in Richtung des kleinen Flughafens auf der Insel Kulusuk. Die Flugzeit liegt bei ca. 1Std30min, ehe man die größte Insel der Welt erreicht. Grönland misst rund 2,2 Millionen Quadratkilometer, hat aber nicht mal 60.000 Einwohner. Die indigene Bevölkerung sind die Inuit, welche bereits seit 5000 Jahren in Grönland leben. Bereits beim Landeanflug wird man bei guter Sicht aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Das Meer gefriert vor unseren Augen, riesige Eisberge treiben im Meer und die schroffen Berge säumen die Küste. Man könnte meinen: Hier beginnt das Ende der Welt.

Der Flughafen auf Kulusuk ist sehr klein und besteht nur aus einer Sandpiste. Schnell ist die Gepäckabholung erledigt und man kann wahlweise mit einem Helikopter in den Hauptort Tasiilaq fliegen oder per Motorboot die Reise beginnen. Während der Helikopterflug nicht mal eine Stunde dauert, kann eine Bootstour, je nach Eislage, mehr als 2 Stunden in Anspruch nehmen. Dafür sieht man bei einer Bootsfahrt aber auch mehr. Die ersten Eisberge treiben direkt neben dem Boot im Meer und mit etwas Glück sieht man Wale. Nachdem das Boot in den Kong Oscar Fjord abgebogen ist, wird die See sehr ruhig. Nicht umsonst heisst Tasiilaq „wie ein ruhiger See“ übersetzt. Und dann taucht der Hauptort mit weniger als 3000 Einwohnern auf der Hauptinsel Ammassalik selbst vor einem auf. Während sich die Anreise schon abenteuerlich angefühlt hat, so kann nun das richtige Abenteuer beginnen.

Hard Facts:

Grönland ist die größte Insel der Erde mit rund 2,2 mio km² Größe.
Grönland hat aber nur rund 50.000 Einwohner, die Inuit.
Auf Grönland wird Inuktitut, Dänisch und Englisch gesprochen.
Die besten Reisemonate für den kurzen Sommer sind Juli und August.

 

Was man über Ostgrönland wissen sollte

Es empfiehlt sich schon vor Beginn der Reise sich beim Roten Haus oder The Red House anzumelden und ggf. einen Zeltplatz oder ein Zimmer im gleichnamigen Gästehaus zu buchen. Der Ansprechpartner ist der ehemalige südtiroler Extremsportler Robert Peroni, welcher seit über 30 Jahren in Grönland lebt und selbst als erster Europäer in 1983 die Insel an der breitesten Stelle durch das Inlandeis gequert hat. Eine Anmeldung bzw. Buchung wird dringend empfohlen, da die Auswahl von Unterkünften sehr gering ist und direkt hinter der Ortschaft die Wildnis beginnt.

Grönland ist an der Küste im Sommer weitgehend eisfrei und die Landschaft wird von bunten Blumen, besonders der arktischen Heide, geprägt. Es gibt viele Wander- und Ausflugsmöglichkeiten. Von Bootausflügen zum Inlandeis, Wal, Eisbär oder Moschusochsensafaris oder lokal geführte Wanderungen, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Die meisten der Aktivitäten können beim Roten Haus gebucht werden. Wer auf eigene Faust unterwegs sein möchte, kann sich auch per Boot in die einsame Natur bringen lassen. Es empfiehlt sich jedoch dies bei dem Roten Haus anzumelden und sich über den Gebrauch mit Schusswaffen zu informieren. Grönland ist Bärenland. Genauer genommen Eisbärenland. Nicht umsonst nehmen sich die meisten Besucher einen lokalen Jäger als Wanderführer oder gehen auf eine bereits organisierte Reise.

 

Deine Reise durch Ostgrönland – Währung und Preise

Da Grönland zwar einen autonomen Status hat, aber dennoch Dänemark zugehörig ist, zahlt man in Grönland mit der Dänischen Krone (DKK). In Tasiilaq gibt es einen ATM im lokalen Supermarkt, man kann aber teilweise auch mit Kreditkarte bezahlen. Es empfiehlt sich, immer Bargeld bei sich zu haben. Die Supermärkte haben eine recht gute Auswahl an Produkten, jedoch ist die Verfügbarkeit von Transportschiffen abhängig, welche es im Winter schwer haben, die Ortschaften zu erreichen. Es sei gleich gesagt, dass das Preisniveau hoch ist. Man sollte entsprechend etwas mehr Geld einplanen. Wer nicht selber kochen möchte, kann auch abends mit Reservierung im Red House einkehren und eine kulinarische Reise zwischen Italien und Grönland unternehmen.

 

Die Sprache Ostgrönlands

„Inuktitut“ oder auch „Tunumiisut“ wird übersetzt als die „Sprache der Menschen“ und gehört zu den ostkanadischen Dialektgruppen der „Inuitsprachen“. Bis zum heutigen Tag ist in Grönland, vor allem in Ostgrönland, das „Grönländische“ mit 20 Buchstaben im Alphabet Amtssprache und wird von Kindern, wie Erwachsenen gesprochen. In der Schule wird Dänisch und auch Englisch unterrichtet, welches von vielen jungen Leuten in Grönland gesprochen wird. Es ist jedoch schön, die Herzen der Einwohner zu öffnen, wenn man ein paar Worte des „Grönländischen“ spricht.

Danke: qujanaq
Guten Tag/Hallo: kutaaa
Auf Wiedersehen/Tschüss: baaj
Ja: iii
Nein: naamik

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© Dennis Hartke

Unterkunft

Wer früh bucht, kann ein Zimmer im Roten Haus ergattern, welches einfach eingerichtet ist, aber eine wunderschöne Aussicht auf den Fjord bietet. Es wird von Einheimischen unter Leitung von Robert Peroni geführt und ist neben einer Schlafmöglichkeit auch gleichzeitig Ansprechpartner für Ausflüge in der Nähe oder weiter entfernte Abenteuer. Alle Informationen und Preise findet man auf der Website.

Ausflugsziele in der Nähe: Der Hauptort Tasiilaq bietet neben dem Alltag in der Ortschaft, auch Möglichkeiten zu Wanderungen in der Umgebung. Das Tal der Blumen ist eine schöne und einfache Wanderung mit wenigen Höhenmetern und bietet vor allem im Sommer ein Meer an bunten Blumen und Pflanzen entlang des Weges.

Auch der „Hausberg“ Qaqertivagajik ist in rund fünf Stunden erwandert, auch wenn diese Wanderung schon ein wenig intensiver ist, da die Wanderung über steile und schotterige Hänge führt.

Entspannter hingegen sind lokale Wanderungen in Richtung des Polarstroms mit nur 100 Höhenmetern und abschließender Umrundung eines Sees, welcher zum Baden einlädt. Wichtig ist: Bei allen Wanderungen ausserhalb der Ortschaft kurz im Roten Haus Bescheid zu sagen, welche Tour man vorhat und sich über die aktuelle Situation des Wetters und evtl. Sichtung von Eisbären zu informieren.

 

Verhaltenstipps/ Nützliche Tipps für vor Ort

Die gesellschaftliche Situation der Grönländer ist geprägt von sozialen Spannungen, wovon wir Besucher relativ wenig mitbekommen. Es ist wahrscheinlicher öffentlichen Alkoholismus zu sehen, als Opfer eines Verbrechens zu werden. Auch wenn die Arbeitslosigkeit in Ostgrönland bei 90% liegt, sind die Inuit ein sehr zurückhaltendes und Fremden gegenüber friedliches Volk, was nicht heisst, dass es häusliche Gewalt nicht durchaus gibt. Es ist ratsam, immer stets freundlich und zurückhaltend zu sein und nicht den „reichen Weissen“ vor der Bevölkerung zu spielen. Die Grönländer wissen um ihre Situation bescheid und auch Diskussionen darüber sind unnütz und tunlichst zu vermeiden. Auch wenn es ein „Müllproblem“ in den Ortschaften und teilweise in der Landschaft gibt, so sollte man auf seinen eigenen Müll gut achtgeben. Es hilft nicht, noch mehr Müll zu produzieren, sondern eher darauf zu achten, keinen zu hinterlassen.

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© Dennis Hartke

Unterwegs in Ostgrönland

In Ostgrönland gibt es kein Straßennetz. Tasiilaq besitzt ein wenig Asphaltstraße und Piste, aber kein Ort ist mit dem anderen verbunden. Es gibt keine Busverbindungen, keine Bahn usw. Die einzigen Möglichkeiten sind per Helikopter oder per Motorboot eine andere Ortschaft zu erreichen. Auch hier kann das Rote Haus Auskunft geben.

 

Besonderheiten und Empfehlungen

Die pure Wildnis: Zelten am Knud Rasmussen Gletscher. Per Boot von Tasiilaq in die unendliche Wildnis. Der Gletscher kalbt direkt vor dem Camp in den Fjord und bis wieder ein gigantischer Eisklotz zu treiben beginnt, verschwindet jegliches Geräusch. Hier findet man wahre Stille.

Per Boot in das Jägerdorf Kuummiut: Etwas mehr als eine Stunde entfernt vom Hauptort, kann man am Fjord sein Zelt aufstellen und das Dorf Kuummiut samt Einwohner besuchen. Nur Jäger und Fischer leben in dem kleinen Dörfchen umrundet von majestätischen Bergen. Nach kurzer Zeit wird man von den Einwohnern begrüßt und angesprochen. Hinter dem Dorf, abseits des Helikopterplatzes, beginnen wunderschöne Wanderungen in Richtung des Tuno-Fjords.

Endzeitstimmung bei Bluie East: Eine ehemalige US-Militärbasis liegt verlassen entlang des Ikateq Fjords und lädt zu einem Besuch ein. Abseits der alten Fahrzeuge, welche in den Boden einsinken, gibt es eine 2,5 km lange Landebahn, viele leere Fässer und das Gerippe eines alten Hangers. Hinter der Basis erheben sich grandiose Berge und ein kleiner See macht das Ganze zu einer lieblichen Kulisse. Wer also Endzeitstimmung in der Arktis erleben möchte, ist hier richtig aufgehoben.

 

Wenn die Reise beginnt, blickt man gespannt nach vorne. Wenn man mit dem Boot am Ende wieder zum Flughafen nach Kulusuk gebracht wird, blickt man zurück. Niemand blickt mehr auf das, was vor einem liegt, sondern nur auf das zurück, was man erlebt hat. Diesen Effekt hat nur Ostgrönland. Viel Spaß beim Entdecken.

 

Für den Norden geboren:

Dennis Hartke (35) ist seit 10 Jahren Reiseleiter/Outdoorguide auf Hunderten von Reisen. Seine Heimat ist der Norden der Welt. Er hält sich meistens auf Grönland, in Kamtschatka, auf Spitzbergen oder in Alaska auf. Irgendwann beschloss er für sich, seine Erlebnisse aufzuschreiben, um mehr Menschen zu bewegen, die nördlichen Regionen zu bereisen.

Text und Fotos © Dennis Hartke

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