Island
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Gute Gründe, mit dem eigenen Auto nach Island zu reisen

Viele Attraktionen liegen direkt an der Ringstraße, hier die Wasserfälle Godafoss

Dies ist ein Gastbeitrag von Jo vom Reiseblog Elchkuss.de.

Der Seegang ist heftig. Das Schiff wird emporgehoben, nur um wenig später ins nächste Wellental hinabzusinken. Zum ersten Mal in unserem Leben bekommen wir eine Ahnung davon, wie es sich anfühlen könnte, seekrank zu werden. Wir sind irgendwo auf dem Nordatlantik. Land haben wir schon lange keines mehr gesehen. Abends sitzen wir in der Bar und gönnen uns ein sündhaft teures Bier. Die Tanzband spielt gar nicht mal so gut. Es ist Dienstagabend. Erst am Donnerstagmorgen werden wir in Seyðisfjörður auf Island ankommen. Für einen kurzen Augenblick überlegen wir uns, ob es wirklich so eine gute Idee gewesen ist, mit dem eigenen Auto und der Fähre nach Island zu fahren. Aber es ist nur ein kurzer Augenblick. Denn es ist eine gute Idee – und dafür gibt es mehrere Gründe.

Mit der MS Norröna der Smyril Line in IslandMit der MS Norröna der Smyril Line in Island

© Johannes Möhler

Die Fährüberfahrt dauert fast zwei volle Tage. Wer nur wenige Urlaubstage zur Verfügung hat, der setzt sich vielleicht lieber in den Flieger nach Reykjavik. Wir sind dagegen zunächst einmal quer durch Deutschland und Dänemark gefahren, bis wir Hirtshals ganz im Norden Dänemarks erreicht haben. Von hier aus fährt die MS Norröna der Reederei Smyril Line einmal in der Woche nach Island. Nach einem Tag im Auto erwarten uns nun noch zwei Tage auf der Fähre. Ist das nicht ein wenig verrückt und Zeitverschwendung?

Wir nähern uns Schritt für Schritt Island an.

Wir haben uns ganz bewusst für diesen Weg entschieden. Wer zwei Tage lang über den Nordatlantik schippert, der erhält ein Gefühl für die Distanzen. Plötzlich erfahren wir ganz wortwörtlich, wie weit entfernt Island vom europäischen Festland ist. Dadurch erscheinen die abenteuerlichen Fahrten der Mönche und Wikinger, die Island vor mehr als tausend Jahren besiedelten, in einem ganz neuen Licht. Und wir können viel besser verstehen, weshalb das Isländische im Gegensatz zu den anderen nordischen Sprachen von fremden Sprachen nahezu unbeeinflusst geblieben ist und es dadurch seinen urtümlichen Charakter erhalten konnte.

Außerdem spüren wir die allmählichen Veränderungen auf dem Weg nach Island. Die dänische Sommerhitze verschwindet, das Meer wird rauer, die Wolken hängen tiefer. Wir tasten uns Schritt für Schritt an unser Urlaubsziel heran. Bei der Reise mit dem Flugzeug schrumpfen dagegen die Distanzen. Das mag schön sein, wenn man es eilig hat. Aber es geht auch vieles dabei verloren.

Highlight mit dem Schiff an den Färöern vorbei

© Johannes Möhler

Erstes Highlight: Zwischenstopp auf den Färöern
Einer dieser Schritte führt uns am Mittwochabend nach Tórshavn, die Hauptstadt der Färöer-Inseln. Hier legt die Fähre einen kurzen Zwischenstopp ein, ehe sie zwischen den atemberaubenden Inseln hindurch weiter nach Island schippert. Nebel bedeckt magisch die Kuppen der steil aufragenden, teilweise mehreren hundert Meter hohen Klippen. Wir stehen an Deck, es ist eiskalt, aber das stört uns kein bisschen. Denn der Anblick dieser faszinierenden Inselwelt ist einfach einmalig. Wir spüren die Vorfreude in uns aufsteigen, da wir auf der Rückfahrt einen mehrtägigen Aufenthalt auf den Färöern eingeplant haben – ein weiterer Grund, mit der Fähre und dem eigenen Auto Island anzusteuern: Die Färöer liegen immer auf dem Weg und sie sind definitiv mehr als nur eine Reise wert (dazu weiter unten noch mehr).

Seydisfjördur ist ein ziemlich überschaubarer Ort.

© Johannes Möhler

Ankunft in der Einöde
Am Donnerstagmorgen erreichen wir dann endlich den Hafen von Seyðisfjörður im Nordosten Islands. Am Ende eines langen Fjordes liegt die Hafenstadt. Wer sich darunter jedoch eine geschäftige, von Industrie und Handel geprägte Stadt mit großen Verladekränen und Ähnlichem vorstellt, der wird überrascht sein: Seyðisfjörður hat ungefähr 650 Einwohner, einen kleinen Supermarkt und exakt eine Zufahrtstraße, die über einen hohen Pass in Richtung Landesinnere führt. Im Winter wird der Pass öfter mal gesperrt, dann ist der Ort nur noch aus der Luft zu erreichen. Willkommen auf Island!

Wer im Osten des Landes ankommt, der findet kleine Ortschaften, wenige Straßen, vereinzelte Gehöfte, viele Schafe und unendliche, weite, fantastische Landschaften vor. Die größte Stadt hier im Osten ist Egilsstaðir mit knapp über 2000 Einwohnern. Es verirren sich nur wenige Touristen in diese Gegend. Dadurch können wir hier etwas erleben, was an den touristischen Hotspots nur begrenzt möglich ist: Einsamkeit. Zunächst sind wir überrascht, da wir vorgewarnt wurden, Island sei völlig überlaufen. Hier ist davon nichts zu spüren. Beim Golden Circle rund um die Hauptstadt Reykjavik wird das dann gänzlich anders werden.

Viele Straßen auf Island sind nicht geteert, aber dennoch gut befahrbar

© Johannes Möhler

traumhaftes Panorama entlang der Ringstraße an Islands Südküste

© Johannes Möhler

Sonst unerreichbare Orte sind erreichbar
Wir umrunden Island einmal auf der Ringstraße, die von einigen wenigen Kilometern abgesehen komplett asphaltiert ist. Mit einem normalen Pkw ist sie damit vollkommen problemlos zu befahren. Aber wir können auch viele Abstecher auf größtenteils geschotterten, aber dennoch einigermaßen gut zu befahrenden Pisten machen. Dadurch erreichen wir Orte, die wir, wenn wir die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt hätten, nicht zu Gesicht bekommen hätten. Wir können im Norden Islands durch traumhafte Gebirgslandschaften wandern und begegnen dabei nicht mehr als einer Handvoll Menschen, wir machen Abstecher zu einsamen Robbenstränden und kurven kreuz und quer durch die etwas abseits gelegenen Westfjorde.

Da wir nur einen VW-Bus und keinen Allradwagen haben, sind einzig die Pisten im Landesinneren für uns ein No-Go. Das würden uns die Stoßdämpfer nicht verzeihen und spätestens bei der ersten zu durchfahrenden Furt wäre Schluss. Um beispielsweise ins Wander-Eldorado þórsmörk zu kommen, nehmen wir daher den Linienbus.

Unser Bus hat uns (fast) überall hingebracht.

© Johannes Möhler

Eigenes Auto oder Mietauto?
Viele Ziele entlang der Ringstraße wären jedoch ohne eigenes Auto nur schwer oder gar nicht zu erreichen. Wir können spontan anhalten und auf einen Vulkankrater klettern oder uns in ein gemütliches Café setzen – ganz, wie wir es wollen. Klar, das alles wäre mit einem Mietauto ebenfalls möglich. Dann könnte man sich auch gleich ein Allradauto mieten, sodass man auch ins Landesinnere kann.

Ja, das stimmt. Lange war das unser favorisierter Plan. Der Reiz der Anfahrt mit der Fähre war nur ein Grund, weshalb wir uns schlussendlich aber für das eigene Auto entschieden haben. Die weiteren Gründe waren das Packen und die Kosten.

• Das Packen: Für Island brauchst du einiges. Selbst im Sommer übersteigt das Thermometer selten die 15-Grad-Marke. Warme Klamotten sind daher extrem wichtig. Regenkleidung genauso. Wer wie wir wandern möchte, braucht noch Wanderstiefel, Zelt, Outdoorküche, Isomatte, Schlafsack und und und. Badesachen für das Bad in den heißen Quellen dürfen aber auch nicht fehlen. Dazu noch einige Konserven (schließlich ist das Essen auf Island schweineteuer), die Fotoausrüstung, Lesestoff. Ach, man kann wirklich viel einpacken. Da mit dem eigenen Auto anzureisen, macht das Packen deutlich entspannter. 😉

• Die Kosten: Während wir das Packen sicherlich auch anders hätten lösen können, waren die Kosten deutlich ausschlaggebendere Gründe – und das, obwohl uns die Fährüberfahrt über 2.500 Euro gekostet hat (für Hin- und Rückfahrt).

traumhaftes Panorama entlang der Ringstraße an Islands Südküste

© Johannes Möhler

Ein Islandurlaub ist teuer. Alles andere zu behaupten, wäre Augenwischerei. Das war uns also absolut bewusst, dennoch war unser Reisebudget begrenzt, weshalb wir die Kosten im Blick behalten mussten. Selbst einfache Hotels oder Jugendherbergen schlagen auf Island schnell mit 100 bis 200 Euro für das Doppelzimmer zu Buche. Daher war uns rasch klar, dass wir auf Campingplätzen übernachten werden. Diese sind zwar meist eher einfach gehalten, dafür preislich aber echt okay – für isländische Verhältnisse sogar regelrecht günstig. Indem wir unseren VW-Bus mitnahmen und darin auf Campingplätzen übernachteten, konnten wir viel Geld sparen.

„Dann kann ich mir doch auch einen VW-Bus ausleihen? Oder vielleicht sogar ein Wohnmobil?“, könnte man nun einwenden. Klar, das ist möglich. Doch während Kleinwagen noch einigermaßen günstig zu mieten sind, sind alle in irgendeiner Weise außergewöhnlichen Fahrzeuge extrem teuer: Die meisten Wohnmobile kosten beispielsweise mindestens 2.500 Euro pro Woche, also genauso viel wie die Fährüberfahrt. Wenn man zwei Wochen bleiben möchte und die Flugkosten noch hinzurechnet, kommt das also deutlich teurer als die Fähre.

Besser geht's nicht Gasadalur auf den Färöern bei bestem Wetter.

© Johannes Möhler

Mit dem Auto die Färöer entdecken
Mit Fähre und eigenem Auto haben wir uns allmählich Island angenähert, wir waren sehr flexibel bei der Reiseplanung, konnten Orte ansteuern, die wir ohne Auto nicht erreicht hätten, und haben nicht zuletzt dabei Geld gespart.

Doch vielleicht das wichtigste Argument für die Anreise mit der Fähre und dem eigenen Pkw hat gar nichts mit Island selbst zu tun. Nein, es ist die Möglichkeit, auf dem Hin- oder Rückweg einen mehrtägigen Zwischenstopp auf den Färöern zu machen. Beim Fährunternehmen erhält man sogar einen kleinen Rabatt, wenn man dies macht.

Während uns Island aufgrund seiner Vielfalt und der absolut atemberaubenden Landschaften fasziniert und beeindruckt hat, waren es doch die Färöer-Inseln, in die wir uns augenblicklich verliebt haben und zu denen wir sobald wie möglich zurückkehren wollen. Gut, das liegt vielleicht auch daran, dass wir nur Sonnentage hatten, was dort nicht allzu häufig vorkommt. Meist kleben dichte Wolken an den steil aufragenden Berghängen, wodurch die Färöer sicherlich einen anderen Reiz entfalten. Wir durften sie bei Sonne pur kennenlernen.

Traumhafte Inseln

Und was sind das nur für Inseln! Mehrere hundert Meter hoch ragen sie aus dem Nordatlantik. In steilen, oftmals senkrechten Felsklippen nisten hunderttausende Vögel. Selbst den Papageientaucher haben wir hier vor die Linse gekriegt. Wasserfälle stürzen halsbrecherisch direkt ins Meer. Urgemütliche Dörfer schmiegen sich elegant zwischen die Berge. Einmal sind die Färöer schroff, karg, ja, regelrecht feindlich. Doch nur wenig später leuchten grüne Wiesen in der Sonne und kleine Bergbäche kommen fröhlich gurgelnd die Hänge herabgestürzt. (Für den Anfang müssen diese Eindrücke ausreichen. Silja wird hier sicherlich noch viel über die Färöer berichten; da wollen wir natürlich nichts vorwegnehmen.)

Ziemlich abgelegen, mit dem Auto aber gut zu erreichenGjogv auf den Färöern

© Johannes Möhler

Eines ist wie auf Island: Ohne Auto sind all diese Orte kaum zu erreichen. Wir sind froh und dankbar, unseren Bus dabei zu haben. So entdecken wir kurvige Pässe, können anhalten, wo und wie lange wir wollen und ganz in unserem Takt reisen.

Drei Tage später holt uns die Fähre wieder ab und bringt uns zurück nach Dänemark. Eineinhalb Tage verbringen wir auf dem Schiff und sind zum Nichtstun, Lesen und Entspannen gezwungen. Ein perfekter Abschluss, um all die Eindrücke von Island und den Färöern zu verarbeiten.

Jo von Elchkuss.de

Warst du bereits auf Island oder den Färöern? Wie bist du gereist? Erzähle uns von deinen Erfahrungen!

Über den Autor:
Schweden ist die große Leidenschaft von Jo. Er hat dort unzählige Urlaube gemacht, studiert, gearbeitet und geforscht. Auf Elchkuss.de nimmt er dich mit auf vielfältige Streifzüge durch das wunderschöne Land im Norden.

Text und Fotos: Johannes Möhler

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