Baltikum, Estland, Lettland, Litauen, Planen, Städtetrip
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Meine Tipps: Eine Baltikum Rundreise mit dem Auto planen

Sonnenuntergang in Palmse, Estland

Es gibt sie noch, diese Orte, an denen der Massentourismus noch nicht Einzug gehalten hat. Einer davon ist das Baltikum! Und genau dort habe ich vergangenen Spätsommer eine Rundreise gemacht.

Kleine Sträßchen in Klaipeda.

Kleine Sträßchen in Klaipeda.

Viele Informationen findet man nicht, wenn man sich an die Planung einer Rundreise begibt. Hierfür möchte ich meine Erfahrungen teilen und dir ein paar Hilfestellungen geben, die dir die Vorbereitung deiner Reise erleichtern.

Welche Arten der Anreise für eine Baltikum Rundreise gibt es?

Von Deutschland aus gibt es drei verschiedene Wege, die einen ins Baltikum führen: Den Seeweg, den Landweg und wer statt des eigenen Autos lieber einen Mietwagen nehmen möchte, kann natürlich auch über den Luftweg in einen der drei baltischen Staaten reisen. Wo die Rundreise beginnt, hängt also von der Art der Anreise ab.

Wer die Fähre nimmt, startet in Kiel und setzt mit dieser innerhalb von 20 Stunden nach Klaipeda in Litauen über (DFDS Seaways). Diese Variante haben wir für unsere Hinfahrt gewählt. Über Land fährt man z. B. über Warschau durch Polen nach Litauen. Ein möglicher Ausgangspunkt für die Rundreise wäre hier z. B. die Hauptstadt Vilnius oder Kaunas.

Ausblick über die Dächer von Tallinn.

Ausblick über die Dächer von Tallinn.

Sollte man die Unterkünfte schon im Voraus buchen?

Ist man mit dem Auto unterwegs, so ist man natürlich auf immer wieder neue Unterkünfte angewiesen. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie frei man auf seiner Baltikum Rundreise sein möchte? Weder Litauen, Lettland, noch Estland sind touristisch großartig erschlossen, was bedeutet, dass man außerhalb der großen Städte nicht überall mal einfach eine Unterkunft findet. Bzw. gibt es auch welche, die ausschließlich in der Hauptsaison geöffnet haben.

Nach großen Überlegungen haben wir uns schließlich dazu entschieden, die Unterkünfte alle schon im Voraus zu buchen.

Die Vorteile:
• Man muss sich vor Ort keinerlei Gedanken darüber machen, wo man die nächste Nacht schläft und kann den ganzen Tag genießen.
• Da wir eh bestimmte Orte unbedingt sehen wollten, haben wir unsere Unterkünfte entsprechend gebucht und Zeit für evtl. Spontanaktionen einkalkuliert.
• Man hat die Kosten genau im Blick!

Die Nachteile:
• Man muss sich auch im Urlaub nach einem gewissen Zeitplan richten.
• Entpuppt sich ein Ort als Reinfall, kann man nicht einfach weiterfahren, außer man nimmt den Geldverlust in kauf.
• Andersherum: Gefällt es einem spontan irgendwo total gut, ist man ggf. gezwungen den Stopp eher kurz zu halten, damit man nicht zu spät an der nächsten Unterkunft ist.

Nach Regen kommt Sonnenschein - tolle Spiegelungen in Haapsalu in Estland.

Nach Regen kommt Sonnenschein – tolle Spiegelungen in Haapsalu in Estland.

Was sollte man vor der Baltikum Rundreise beachten?

• Simpel aber wichtig: Das Auto unbedingt noch mal in der Werkstatt durchchecken lassen.
• Neben einem Navi auch Straßenkarten der baltischen Staaten mitnehmen (Bei Bedarf auch für Polen). Unser Navi wollte uns auf unserem Rückweg beispielsweise partout durch Weißrussland nach Polen schicken. Ohne Visum keine gute Idee. Notfalls reicht aber sicher auch Google Maps.
• Länderspezifische Verkehrsregeln in Erfahrung bringen (z. B. mit Hilfe von TourenSets des ADAC)
• Bei der Buchung der Unterkünfte darauf achten, dass es Parkmöglichkeiten in der Nähe gibt. Vor allem in den Hauptstädten lohnt es sich nach welchen mit angeschlossenen Parkplätzen zu schauen. Andernfalls kann es schnell teuer werden und in abgelegenen Seitenstraßen möchte man auch nicht unbedingt parken.

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

• Spritkosten sind günstiger als in Deutschland.
In Lettland haben wir z.B. für 96 ct/Liter Diesel getankt. In Estland, genauer in Tallinn, war es mit 1,18 €/Liter für Diesel und 1,22 €/Liter für Super am teuersten.
• Essen gehen ist ebenfalls günstig.
Man zahlt selten mehr als 8 € für ein Hauptgericht. Am günstigsten habe ich in Vilnius gegessen. Dort hatten wir uns deftige Hausmannskost gegönnt, was mit großen Portionen verbunden war. Für 2 Getränke, das Hauptgericht und einen Salat habe ich zusammen 8 € gezahlt. Und lecker war’s! So sind wir meistens sowohl mittags, als auch abends essen gegangen.
• Bei unseren Unterkünften hatten wir einen bunten Mix aus Hotels, Guesthouses und einem Hostel (2-Bettzimmer). Preislich ging es bei 35 € los und endete bei etwa 90 €/Nacht bei unserem Hotel in Tallinn. Durchschnittlich lagen wir bei 60 €/Nacht für 2 Personen inklusive Frühstück. Günstiger wäre aber auch kein Problem gewesen.

Außerdem gut zu wissen!

• Litauen, Lettland und Estland gehören zur EU und man zahlt dort mit dem Euro.
• Mit Englisch kommt man wunderbar zurecht. In einem Hotel wurde sogar Deutsch mit uns gesprochen.
• Vor allem von Estland weiß man ja, dass die Digitalisierung dort wesentlich weiter ist, als in Deutschland. Dementsprechend gibt es dort an allen Ecken Wifi Hotspots. Auch in den Hotels ist das Internet inklusive. Aber auch in den anderen beiden Ländern war die Netzabdeckung 1A. Als wir mitten in der lettischen Pampa  unterwegs und seit 20 km keinem anderen Auto mehr begegnet waren, hatten wir trotzdem noch 4G.
• Nicht überrascht sein, wenn man bei manch einer öffentlichen Toilette das Toilettenpapier nicht in das WC werfen darf. Wenn der Hinweis nicht auf Englisch angeschlagen steht, sind die Mülleimer in den Toilettenhäuschen Indikator genug.
• In Estland muss man bei Dunkelheit einen Reflektor am Körper tragen. Diese werden oft als Werbegeschenk verteilt oder liegen an Fähr- und Flughäfen aus. Optimalerweise bringt man sich aber schon einen mit.
• Im Baltikum muss man auch am Tag mit Licht fahren.

Ein Parkplatz nur für uns an der Jurkalne Steilküste in Lettland.

Ein Parkplatz nur für uns an der Jurkalne Steilküste in Lettland.

Die Straßenverhältnisse und der Fahrstil im Baltikum.

Ja, das Thema hat tatsächlich seine eigene Überschrift verdient, denn dazu lohnt es sich etwas weiter auszuholen. Zu den Straßen ist zu sagen, dass es, wenn überhaupt, nur sehr kurze Strecken Autobahn gibt (In Litauen sind z. B. sogar Radfahrer auf ihr gestattet). Die meisten Straßen sind Landstraßen, auf denen man auch nicht schneller als 90 km/h fahren darf. Dies wirkt sich natürlich auf die Zeit aus, die man von A nach B braucht. Besonders wenn man durch viele Ortschaften kommt, in denen man nur 50 fahren darf. Dies und das geringe Verkehrsaufkommen verleitet die Einheimischen wohl dazu, all das zu vergessen, was man normalerweise in der Fahrschule lernt. Überholen bei durchgezogener Linie, kurz vor Kurven oder vor Bergkuppen? Alles kein Problem! An die Geschwindigkeitsbegrenzungen wird sich auch selten gehalten. Klar, mit 70 durch eine geschlossene Ortschaft fahren und überhohlen – kann man wohl mal machen. Außerdem sind auf den Landstraßen auch Fahrradfahrer und Fußgänger gestattet. Daher ist eine gewisse Aufmerksamkeit geboten.

Wir hatten den Eindruck, dass die Straßen in Estland am besten waren. In Lettland hingegen waren die Straßen ziemliche Buckelpisten mit einem Schlagloch nach dem anderen. Wer da mit einem Kleinwagen unterwegs ist, muss sich auf etwas gefasst machen. Wir waren mit unserem Volvo V60 unterwegs, der das glücklicherweise ziemlich gut abfangen konnte. Wer sich für den Trip also einen Mietwagen holen möchte, sollte vielleicht nicht den kleinsten Wagen wählen. Selbstverständlich gibt es auf dem Land auch einige Straßen, die nicht asphaltiert sind.

Ganz wichtig: So sah die Route für unsere 16-tägige Baltikum Rundreise aus!

Kap Kolka Strand in Lettland.

Kap Kolka in Lettland.

Was möchtest du unbedingt im Baltikum sehen? Was sind deine Must-Visits?

Wer schon mal einen kleinen Vorgeschmack von den einzelnen Stationen der Reise sehen möchte, schaut am besten mal auf meinem Instagram Account vorbei.

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12 Kommentare

  1. Nina sagt

    Hallo Silja,
    ich wollte jetzt im Juni einen kleinen Roadtrip durch Lettland und Litauen machen, vielleicht auch nur durch eins der beiden Länder, da muss ich mal schauen wie es zeitlich so hinhaut.
    Ich bin auf jeden Fall froh deine Artikel gefunden zu haben, da man ja doch eher wenig über das Baltikum als Reiseziel herausfindet.
    Die Infos in den Reiseführern haben mir gerade zum Thema Autofahren ein mulmiges Gefühl hinterlassen, vor allem das mit dem Parken.
    Ich werde alleine reisen und mich würde interessieren wie du das Ganze einschätzt, ist das mit dem Parken wirklich so problematisch? Und wenn du schreibst es gibt viele nicht so besonders gute Straßen, wie darf man sich das so vorstellen, du hast nicht zufällig ein Beispielbild? 😀 Ich werde mit meinem kleinen Fiat Panda mit der Fähre übersetzen, da kann ich mich dann wohl auf viel geschaukel gefasst machen.
    Bis hierhin erstmal danke und ganz liebe Grüße
    Nina

    • Silja sagt

      Hallo Nina,

      das freut mich, so ging es mir letztes Jahr auch.
      Du meinst problematisch im Bezug auf die Sicherheit? Da das vor der Reise schwer einzuschätzen war, habe ich verstärkt Unterkünfte mit angeschlossenem Parkplatz gebucht. Jedoch hatten nicht alle ein Tor, sodass da schon jemand unbefugtes dran gekommen wäre. Ein mulmiges Gefühl hatten wir aber nie. Auch nicht, wenn wir auf Ausflügen unser komplettes Gepäck im Auto hatten und dann irgendwo geparkt haben. In Riga hatte das Hotel keinen eigenen Parkplatz, aber um die Ecke war einer, inklusive Parkwächter. Da war die Sache, dass der Wächter entweder kein Englisch sprach oder nicht sprechen wollte und ich dem Russisch nicht mächtig bin, sodass er einmal extrem unfreundlich war (wir waren ja immerhin zahlende Kunden) und dann wollte er am 2. Tag nochmal kassieren, obwohl wir schon für 2 Tage gezahlt hatten. Das war etwas unangenehm und ich weiß nicht, wie ich die Geschichte gelöst hätte, wenn ich alleine unterwegs gewesen wäre, denn er war ziemlich aufbrausend. Das war etwas unschön, aber davon abgesehen hatten wir nie Probleme. Ich denke, dass das unproblematisch ist, solang man Wertsachen nicht offen im Auto liegen lässt und nicht gerade in irgendwelchen Seitenstraßen parkt. Dann lieber Geld für ein Parkticket ausgeben.
      Ein Beispielbild habe ich leider nicht. Falls du belgische Autobahnen und ihre Schlaglöcher kennst, dann würde ich sagen, dass vor allem Lettland das nochmal toppt. Man muss es sich leider teilweise so vorstellen, dass nicht einfach nur hier und da vereinzelt Schlaglöcher sind, sondern je nach Strecke, ununterbrochen. Allerdings waren sie in Lettland fleißig dabei die Straßen zu erneuern. Vielleicht sind sie jetzt ja damit fertig. Hier habe ich am Schluss auch noch etwas zum Thema Autofahren geschrieben: https://fernwehge.com/rundreise-lettland/

      Ich hoffe, ich habe ein bisschen für Klarheit sorgen können.

      Liebe Grüße aus Köln
      Silja

  2. Mirjam sagt

    Liebe Silja
    Danke für die tollen Tipps! Ich werde im Juni gute zwei Wochen im Baltikum verbringen. Hab ab Tallin ein Auto gemietet & mach mich dann alleine auf die Piste. Hab mir schon einige deiner Tipps rausgeschrieben.
    Liebe Grüße
    Mirjam

    • Silja sagt

      Liebe Mirjam,

      das klingt super! Es freut mich, dass dir die Tipps gefallen.
      Ich wünsche dir eine tolle Zeit.

      Liebe Grüße
      Silja

  3. Jörg sagt

    Hallo Silja,
    Danke für Deinen ausführlichen Roadtrip-Bericht.
    Am Samstag 28.04. werde ich ab Kiel auch alleine wie Nina mit der Fähre übersetzen und mit meinem betagten Youngtimer von 1974 durch das Baltikum hoppeln. Da ich bis jetzt noch keine ausführliche Info bezüglich des Strassenzustandes gefunden hatte,
    Danke ich Dir für Deine „Wegbeschreibung“. Übernachten werde ich ganz klassisch mit Zelt. Ich hoffe Temperatur und Wetter spielen mit.
    Besten Dank nochmal…so macht die Reisevorbereitung Spass.
    Jörg
    Ps: @Nina, viel Spaß im Juni im Panda 😉

    • Silja sagt

      Hallo Jörg,

      ich hatte leider viel um die Ohren und komme jetzt erst zum Antworten.
      Es freut mich, dass mein Blogbeitrag dir weitergeholfen hat. Ich selbst habe auch relativ wenig Infos zu bestimmten Themen gefunden, sodass ich sie auf meinem Blog ansprechen wollte, damit andere es leichter bei der Planung haben. Das scheint geklappt zu haben.

      Viel Spaß noch im Baltikum
      Silja

  4. Michael Schöne sagt

    Hallo Silja,
    danke für Deine Beschreibung des Baltikum-Urlaubs!
    Nachdem wir 2015 Skandinavien (DK nach S, nach FI, nach N inkl. Nordkap und zurück an der norw. Küste über DK zurück nach Sachsen = 9.500 km/6 Wochen) und 2016 Frankreich von oben die Küste entlang nach Spanien, den Pyr. entlang zum Mittelmeer und aufwärts über die Schweiz fuhren, wollen wir im Juli/August über die Masuren das Baltikum erkunden; alles mit dem Pkw. Mit bissl Englisch und bissl Russisch sollten wir durchkommen. Sorge macht uns tatsächlich die Sicherheit, aber da hast Du ja ausführlich hingewiesen. Wir hatten überall ein mulmiges Gefühl, das vollbepackte Auto irgendwo abzustellen, hatten aber nie Probleme. Hoffentlich geht das im Baltikum ähnlich gut. Wir werden nicht vorbuchen und sind somit frei und haben nur den „Stress“ vor Ort schnell eine akzeptable Übernachtung zu finden. Aber da sind wir hart im Nehmen (73 + 67 J.) …
    Danke nochmals für Deine mitgeteilten Erfahrungen!
    liebe Grüße
    Micha
    PS: auf welche Reiseziele sollten wir verzichten – sind an Natur und Geschichte interessiert …

  5. Silja sagt

    Hallo Micha,

    eure Reisen würden mir auch schon gefallen!
    Im Baltikum hatte ich nie Bedenken, dass wir beklaut werden. Natürlich haben wir in keinen „dunkeln Gassen“ geparkt und im Auto keine Wertsachen offen herum liegen lassen. So agiere ich aber auch in Deutschland. Da du die Masuren ansprichst: In Polen würde ich besonders aufmerksam fahren. Im Baltikum werden zwar auch haarsträubende Manöver gefahren, allerdings ist dort auch relativ wenig Verkehr. Anders in Polen. Dort sind wir tatsächlich nur knapp einem Unfall entkommen, eben wegen dieser unnötig rasanten Fahrweise. Das war ein missglücktes Überholmanöver schön in den Gegenverkehr rein…auf einer Allee. Kann einem theoretisch aber überall passieren.

    Mir fällt es wahrscheinlich leichter Orte zu empfehlen. Es gibt zwei Orte, die ich nicht unbedingt nochmal besuchen würde. Zum Beispiel das Rundale Schloss in Lettland. Wobei man hier aber auch wieder sagen muss, dass das ein paar Aspekte hatte, welche ich so auch noch nicht gesehen habe. Vom Hocker gerissen hat es mich trotzdem nicht (Das liegt wohl auch daran, dass ich ziemlich begeistert von Burgen und Schlössern bin und daher relativ viele Vergleichsmöglichkeiten habe). Das Kap Kolka muss auch nicht unbedingt sein, außer man hat eh einen Zwischenstopp geplant (Die teils raue Natur dort ist klasse). Wir haben den Fehler gemacht und sind von Riga aus bis zum Kap hoch und am gleichen Tag wieder zurück. Das ist bei den Straßen und den Tempolimits nicht empfehlenswert. Was mir spontan sehr gut gefallen hat, war Litauens Süden. Leider haben wir den nur im Vorbeifahren auf dem Rückweg gesehen, aber das Landschaftsbild ist im Vergleich zum restlichen Baltikum ganz anders (hügelig mit Seen). Dort kommt man von Polen unweigerlich lang, wenn man auf der E67 über die Grenze fährt und von dort Vilnius ansteuert (wir mussten unser Navi etwas austricksen, bzw. auf die Karte schauen, weil es uns durch Weißrussland schicken wollte). Außerdem hat mir das Viru Hochmoor im Lahemaa Nationalpark in Estland und das Palmse Manor sehr gut gefallen.

    Liebe Grüße
    Silja

  6. Michael sagt

    Hallo Silja,

    danke für die perfekte und prompte Antwort!
    die ist hilfreich; so macht Reiseplanung Spaß.
    Nun, wir werden uns treiben lassen, haben ja alle Zeit der Welt …

    eine schöne Zeit
    wünscht Micha
    (melde mich nach vollbrachter Tour)

    • Silja sagt

      Hallo Micha,

      das freut mich sehr!
      Das konnten wir leider nicht, aber ich bin schon auf deinen Bericht gespannt.

      Viele Grüße aus Köln
      Silja

  7. Michael sagt

    Hallo zusammen,

    nach Abstand von 14 Tagen möchte ich mein Versprechen einlösen und kurz unsere Pkw-Baltik-Kreuzfahrt skizzieren:
    ohne Vorurteile, was uns erwarten könnte, sind wir am 22. Juli gestartet.

    Von Sachsen aus nach Toruń/Thorn und einen Tag später über Olsztyn/Allenstein in die Masuren (Giżycko/Lötzen). Dann über Suwałki/Suwalken nach Kaunas/Kauen und auf der ruhigen 141 nach Šilutė/Heydekrug, Vom Vogelschutzgebiet um Ventė/Windenburg am Haff über Klaipėda/Memel mit der Fähre Smiltynė/Sandkrug auf die Kurische Nehrung in Juodkrantė/Schwarzort, Pervalka/Perwelk, Preila/Preil und Nida/Nidden mit den bekannten Dünen; von da aus zum Berg der Kreuze nahe Šiauliai/Schaulen. Zurück an die Ostsee Richtung Palanga/Polangen und dann nordwärts an der Küste über Liepāja/Libau nach Jūrkalne/Feliksberg (Steilküste) entlang. Abstecher nach Ēdole/Edwahlen und Kuldīga/Goldingen. Nach Ventspils/Windau zur Spitze nach Kolka/Kolken … Jūrmala/Riga-Strand/Dubbeln mit Abstecher nach Bauska/Bauske und Rundāle/Ruhenthal. Dann natürlich Riga und weiter Richtung Estland. Über Ainaži/Hainasch nach Häädemeeste/Gutmannsbach, weiter über Pärnu/Pernau und mit der Fähre auf die kleine Insel Mohu/Mohn nach Koguva/Kogguwa und weiter auf die Hauptinsel Saaremaa/Ösel in den Hauptort Kuressaare/Arensburg, anschließend Steilküste bei Panga/Pank und wieder über Mohu aufs Festland. Über Haapsalu/Hapsal und Saue/Sauß nach Tallinn/Reval! Dann: Mustvee/Tschorna am Peipussee, Zwiebelstraße, Kallaste/Rotberg (rote Steilküste). Weiter nach Tartu/Dorpat und über Elva/Elwa nach Sangaste/Sagnitz und Otepää/Odenpäh, dann über Valga/Valka/Walk nach Ludza/Ludsen. Dann Molėtai/Mulau, Vilnius/Wilna, Trakai/Traken und nach dem Kurort Birštonas/Birschtannen wieder in die Masuren über Ełk/Lyck nach Augustów, dann Mikolajki/Nikolaiken und Rückfahrt über Puławy nach Szczedrzyk/Sczedrzik … und nach Hause …

    … es fehlten noch 20 km und wir hätten eine Strecke von 6.000 km durch Sachsen, Polen, Litauen, Lettland, Estland und so wieder zurück in exakt 4 Wochen absolviert. Und das bei der gleichen Hitze wie in Mitteleuropa (einer der geografischen Mittelpunkte Europas liegt zwar beim Dorf Purnuškės nördlich von Vilnius, für mich ist das Baltikum jedoch Osteuropa).
    Wir hatten nie etwas im voraus gebucht (außer in Toruń, da haben wir preiswert im Hostel Orange übernachtet). Die „Warnung“ vor möglichen Schwierigkeiten bei der Suche nach Übernachtungen in der Hochsaison war unbegründet. Es war also immer spannend und so wußten wir nicht am Morgen, wo wir abends schlafen würden. Es hat immer gut geklappt: auf Campingplätzen, in Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels — meist preiswert. Die Übernachtungsorte haben wir immer an Sehenswürdigkeiten, wassernahen Plätzen und der Natur ausgesucht. So freuten wir uns über ein schönes Landhotel in Jūrkalne oder akzeptierten die gewöhnungsbedürtige Hütte auf dem Nemo-Campingplatz in Jūrmala. Die Standard-Highlights waren im Programm, aber besonders freuten wir uns über kleine, sehenswerte und interessante Orte. Per Zufall erlebten wir auch mehrere Hochzeiten, russisches Glockenspiel vor einem russ.-orth. Gottesdienst am Peipussee oder die Zufallsbegegnung mit einer alten deutschen Memelländerin — fast eine Stunde unterhielten wir uns auf einem Friedhof und sie erzählte aus ihrem Leben unter den Litauern und Russen und schilderte ihre jetzige Situation. Wir fragten auch vieles ab. Oder das Gespräch mit einem Rentner vor dem Schwarzhäupterhaus in Riga; 120 Euro Rente, 60 Euro/Person für Miete — da musste er eben Postkarten verkaufen, aus Not. Interessant auch das Gespräch in Kuldiga im TouristBüro; da bekommt man einiges an LokalInformationen, z. B. der Hinweis auf’s Ortsmuseum. Die Verständigung lief aber eigentlich nur über Englisch. Russisch habe ich selten sprechen müssen, paarmal „Sbasibo“, das war’s. Internet lag meist an, so konnten wir unterwegs vom Auto aus schonmal eine Übernachtungsadresse ins Navi eingeben. (Das hätten wir in Frankreich gebrauchen können.) Sehr hilfreich waren die langen Ladenöffnungszeiten, auch sonnabends und sonntags! Wir mussten ja immer planen: übernachten wir im Hotel oder müssen wir uns am Morgen selbst verpflegen …
    Leicht stressig waren mitunter die langen Baustellen; desolate Straßen gab es wenig, vieles war neu, vieles im Bau, kaum Schlaglöcher. Nur einmal mussten wir ca. 25 km auf ’ner Schotterstraße fahren — es gab da keine Alternative und hatte Bedenken wegen Steinschlag, die Einheimischen fuhren schon flott, gelinde gesagt. Da fuhr man schonmal im Schotternebel. Am schlimmsten war der Umbau der Straßen in Olsztyn; wir mussten durch den Ort und brauchten bald eine Stunde, um über schlimme Baustellen mit -zig Ampeln wieder herauszukommen …
    Für Naturliebhaber ist das Baltikum ein Muss, prächtig, wenn man ein Feld mit -zig Störchen beobachten kann; Elche haben wir in freier Natur leider wieder nicht gesehen (wie in Skandinavien schon); Verkehrsschilder wiesen immer wieder darauf hin. Leider haben wir die vielen Nationalparks – auch wegen der ständigen Hitze – nicht so tangiert. Schiffstouren auf den masurischen Seen oder Stadtrundfahrten in den größeren Städten erweiterten uns das Kennenlernen. Preis-Leistungs-Niveau war immer okay, außer die Parkgebühren in Riga und Tallinn (u. a. eine der schönsten Kneipenstädte, die wir je kennenlernten.
    Was fehlt noch? Wir sind sehr zufrieden, dass wir die Tour gemacht haben, wenn man auch sieht, dass es dort keinen „Aufbau Ost“ gegeben hat. Langsam kommen die 100jährigen Länder in Europa an. Man sieht viele Finnen, auch Schweden und Norweger, natürlich viele Deutsche, Russen, Holländer, auch Polen, wenige Südländer, kaum Österreicher, einen Slowenen sahen wir (alles den Kennzeichen nach) und einen Griechen sprachen wir in Saue. Am Peipussee grüßte ich eine Französin durchs geschlossene Autofenster mit „bon jour“; sie war überrascht, öffnete die Tür und war enttäuscht, als ich zu verstehen gab: „no, no, seulement allemand“.
    Wir schwärmen heute noch von den Burgen, von den Küsten und Flüssen, Kirchen und von der Landschaft! Die Leute waren meist sehr freundlich (in einigen abgelegenen Orten muss man im Gastrogeschäft noch „bissl was lernen“).
    Und nächstes Jahr? Mal sehen, meine Frau will eine Rundfahrt durch die Benelux-Länder (wo wir schon waren); ich denke eher an eine Deutschland-Pkw-Kreuz-und-Quer-Fahrt an die Orte, wo wir noch nicht waren …

    Beste Grüße
    Michael
    (fragt nach, wenn euch etwas interessiert …)

    • Lieber Michael,

      wow, da habt ihr ja einiges erlebt! Und vielen Dank für die zusätzlichen Tipps, die sicher vielen Interessierten weiterhelfen werden.
      Unter den vielen Baustellen hatten wir auch zu leiden, aber es scheint, als wären nun die meisten Straßen neu und Schlagloch frei. Auch der Punkt mit den Unterkünften in der Hauptsaison ist Gold wert. Ich selbst war ja in der Nebensaison unterwegs und konnte das nicht wirklich beurteilen, außer, dass manche Unterkünfte die traumhaft gelegen waren, leider in der Nebensaison geschlossen hatten.

      Viele Grüße
      Silja

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