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Eis von Philippe Bourseiller

Es gibt so Bücher, die kauft man sich zum Vergnügen. Oder, weil man sich woanders hinträumen möchte. Bei manchen dieser Bücher stellt man aber nach einer Weile fest, dass man hier mehr vor sich liegen hat, als einfach nur eine schöne Geschichte. Beziehungsweise nur schöne Fotografien. So war es auch bei „Eis“ von Philippe Bourseiller. Auf den ersten Blick handelt sich hier um einen Bildband, der die Schönheit der kalten Regionen dieser Erde zeigt. Gespickt ist dieser Band allerdings mit 11 Interviews, in denen Fachleute ihre Sicht auf das Thema Klimawandel im Hinblick auf die polaren Regionen schildern.

Traumhafte Fotos faszinierender Landschaften, die zum Nachdenken anregen.

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Eis – wo entstanden die Aufnahmen von Philippe Bourseiller?

Die Reise führte Philippe Bourseille um die ganze Welt, um die Besonderheiten der einzelnen Regionen zu zeigen. Beispielhaft zu nennen wäre da die Gletscherschmelze in den französischen Alpen, Eisformationen am Krater des Ätnas in Sizilien, die Arktis und Antarktis, Eisberge und Gletscher in Grönland und Schmelzwasserhöhlen in einem Gletscher in Alaska.

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11 Interviews – Fachleute berichten von ihren Erfahrungen und ihrer Arbeit im Eis

Da hätten wir zum Beispiel Isabelle Autissier. Sie umsegelte als erste Frau alleine die Welt. Dabei ist sie dem Eis begegnet und ihm hoffnungslos verfallen. Sie erzählt von ihren Touren in die Arktis, vom Segeln durch das Eis, aber auch davon, wie sie zum Beispiel im Sommer 2017 bis zu einem Gletscher einen grönländischen Fjord entlang wanderte. Da ihre Karte 40 Jahre alt war, musste sie ganze 15km weiter wandern, um ihn zu erreichen, als angenommen.

Ein weiteres interessantes Interview wäre das mit Gabrielle McGrath, Leiterin der Internationalen Eispatrouille. Diese ist dafür zuständig, driftende Eisberge in der Gegend der Grand Banks südöstlich von Neupfundland zu orten. Sie und ihr Team sorgen dafür, dass Schiffe nicht dasselbe Schicksal ereilt, wie damals die Titanic. Vor allem kleine Eisberge können oft nicht von normalen Radargeräten erfasst werden. Kommen dann noch Nebel oder hohe Wellen dazu, könnte es ohne die Patrouille für die Seeleute gefährlich werden. Doch auch hier ändern sich die Zeiten. Ging man 2016 ganze 212 Tage im Jahr auf Eispatrouille, waren es seit 2011 durchschnittlich nur 133 Tage.


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Fazit:
Eis von Philippe Bourseiller führt einem die Schönheit des Eis‘ vor Augen und zeigt, wie vielfältig es ist. Durch Interviews mit Glaziologen, Klimatologen, Forschern, Naturschützern, aber auch mit der Kommandantin der Internationalen Eispatrouille oder mit dem Kapitän eines Eisbrechers, bekommen wir verschiedenste Einblicke in das Thema Eis. Faszinierend und kaum erforscht einerseits. Gefährlich und gefährdet andererseits.

Ganze 150 Fotos aus aller Welt finden sich auf 296 Seiten. Sie zeigen die verschiedensten Formen des Eis‘, die Lebensräume von Tieren, Eishöhlen, Gletscher, Stürme und so vieles mehr. Beeindruckend zu sehen! Jedoch hätte ich mir matte, statt glänzende Seiten gewünscht. Vielleicht ist das nur eine persönliche Präferenz, aber mir kommt ein Bildband so wertiger vor. Auch scheint es, als wären die Fotos über mehrere Jahre hinweg mit verschiedenen Kameras aufgenommen worden. Die Qualität mancher Fotos ist ausgesprochen gut. Bei anderen hingegen, wirkt es wie unscharf, oder als ob es rauschen würde. Vielleicht arbeitet man bei einer neuen Auflage mit einem kleineren Format. Bei der aktuellen Ausgabe haben wir Maße von etwa 34,5 cm x 25 cm. Vom selben Verlag und in einem ähnlichen Format besitze ich zum Beispiel Bernd Römmelts „Im Bann des Nordens“ und da hatte ich nichts zu kritisieren. Beide Bücher sind mit 45€ auch nicht günstig. Da muss ich leider kritisch sein.

Das Buch will uns verdeutlichen, was die Polarregionen für ein schützenswertes, vielfältiges Gebiet ist. Durch die Interviews der verschiedenen Fachleute bekommt man außerdem noch mal einen ganz anderen Zugang zu dem Thema. Leider muss ich, wie oben geschildert, ein paar Abstriche in der Ausführung machen. Vielleicht kann man da bei einer neuen Auflage noch mal ran. Empfehlenswert ist es nämlich allemal.

 

Gebunden mit Schutzumschlag, 296 Seiten
15 schwarz-weiß-Abbildungen, 140 farbige Abbildungen
ISBN 978-3-95728-136-4
Knesebeck Verlag

Offenlegung: Mir wurde „Eis“ vom Knesebeck Verlag unentgeltlich zum Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst.

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